Mein erster Ironman 70.3 Sieg und der Weg dahin…

Hallo Zusammen!

Ich schulde euch noch einen kleinen Bericht über mein (endlich mal) erfolgreiches 70.3 Rennen! Also, ich fange am besten an wie immer… dem Drama! Ich bin ja was Dramen angeht magnetisch. Also wenn es die Möglichkeit gibt, aus einer einfachen Sache, eine hochkomplizierte und komplexe Angelegenheit zu machen, dann nutze ich sie.

Auch dieses Mal! Meine Reise nach Estland war eine Misere. Los ging es richtig gut. Mein Bruder, der im Gegensatz zu mir immer pünktlich ist, hat mich zum Flughafen gefahren. Dort habe ich dann mein Rad und Gepäck aufgegeben, bin durch die Sicherheitsschleuse und kam pünktlich und ohne am Gate einzuschlafen bis in meinen Flieger!

Es läuft nicht oft so glatt!

Aber als ich in Tallinn gelandet war, hatte ich schon eine Voicemail von meiner Autovermietung auf dem Handy. Die gute Nachricht war, dass sie mein Auto storniert haben und es aufgrund der hohen Nachfrage auch keinen Ersatz gibt.

Was solls, erst mal Gepäck und Rad abholen…

Ich stand am Band neben einer Frau und habe mit ihr noch Witze über die Leute gemacht, die wirklich übertrieben hektisch ihr Gepäck vom Band gerissen haben… Mein Spruch werde ich nicht vergessen: „Hektisch werden muss man eigentlich erst, wenn das Band stehen bleibt und nichts mehr kommt!“.

-Kein Spaß, das Band blieb stehen und ihr Koffer sowie mein Rad waren noch nicht da…! Es war nicht witzig, aber ich musste lachen… „Ok, I’m in shit… Where is the lost and found counter please!?“

Jetzt war ich auch hektisch. Am Schalter fragte ich nach meinem fehlenden Rad, gab meine Kontaktdaten ab und verließ sofort die Ankunftshalle. Ich musste ja auch noch einen Leihwagen oder irgend einen Transport in das 230 km entfernte Otepää organisieren.

Natürlich verließ ich die Ankunftshalle ohne mein normales Gepäck… weil wenn Lost and Found, dann schon richtig!

Als ich gerade in den Bus nach Tartu steigen wollte, fiel mir auf, dass ich irgendwie zu schnell laufen konnte… Aaaah, der Trolley fehlt!! Also zurück in den Flughafen.

Der Bus war dann natürlich weg und es war mittlerweile schon 20 Uhr vorbei!

Ich sah mich schon zusammengekauert auf einer Flughafenbank schlafen. Aber glücklicherweise gab es noch einen Bus um 20:30 Uhr. Irgendwann Nachts kam ich dann an meinem Hotel an und alles war gut.

Der nächste Tag war dann radfrei. Die Airline konnte mir nicht einmal sagen, wo mein Rad eigentlich ist.

Erst am Abend bekam ich doch noch die Nachricht, dass es unterwegs ist und ich es am nächsten Morgen haben werde!

Damit konnte ich leben und noch besser schlafen!

So jetzt aber zum Rennen! Die Einleitung war etwas lang, deshalb beeile ich mich jetzt:

Schwimmen, anfangs sehr gut. Ab der Hälfte waren die Arme leer, die Brille beschlagen und die Gruppe weg.

Mit 1:30 Minuten Rückstand und sehr sehr schlechter Laune kam ich in die Wechselzone. Meine Schwimmbrille habe ich multiaggresiv weggeworfen!

Sie wurde seitdem nie wieder gesehen!

Anti Fog… Das Teil war Pro Fog und nicht ANTI! Mehr Nebel hätte ich nicht mal in der Raucherlounge am Frankfurter Flughafen haben können!

Aber egal, ich war dann auch so klug (oder wie Homer Simpson sagen würde K-L-U-K) und habe mir den falschen Beutel gekrallt… Als dann der falsche Helm aus dem Beutel fiel, wurde ich noch mehr aggro!

Zum Glück bekam ich aber sofort einen Anschiss von einem Helfer, ich soll den Beutel wieder zurück bringen und die 7 nehmen… Ich wäre im Leben nicht drauf gekommen, dass ich die 7 und nicht 8 als Startnummer hatte…

„Die Auswirkung von Stress-Hormonen auf die geistige Leistungsfähigkeit von halb ertrunkenen Leistungssportlern“. -Wäre mal ein interessantes Thema für eine Doktorarbeit! 😉

Irgendwann hatte ich meine Sachen zusammen und saß endlich auf dem Rad. Hier lief es am Anfang überhaupt nicht! Ich war wirklich am überlegen, ob ich das Rennen nicht abbrechen soll. Mein Kopf hat böse Spielchen mit mir gespielt und ich musste alle Tricks abrufen um mich am weitermachen zu halten.

Die geplanten Durchschnittswatt habe ich leider trotz allem beißen, drücken und tun nicht erreicht. Heraus kam trotzdem eine 2:04 h Radzeit und rund 6 Minuten Vorsprung auf Platz 2 gereicht.

Hier haben schon einige gefeiert! Aber ich kam schon öfter mit 5-8 Minuten Puffer in die Wechselzone, bin glorreich hochgegangen und mit der Holzmedaille ins Ziel gehumpelt!

Also für mich war noch gar nichts sicher! Ich wusste, dass ich fitter war als sonst, aber ob das schon reichen könnte, war ungewiss!

Bei Kilometer zwei ging es mir auch schon richtig schlecht. Ich hatte leichte Krampfansätze in den Oberschenkeln… -Nicht gut.

Zum Glück stand aber genau hier Marko Albert (super sympathischer Pro aus Estland, den ich auch schon beim Ironman Südafrika anfeuern durfte!). Diesmal hat er mich angebrüllt!

Und das Timing hätte nicht besser sein können! Die akustische Dusche tat sehr gut und meine müden Beine waren wieder frisch!

Danke Marko!

Ich habe mir die Laufstrecke vor dem Rennen nicht angeschaut. Und das war sehr gut so!

Gefühlt ging es doppelt so oft bergauf als bergab! Wenn es bergab ging, dann immer gleich viel zu steil!

Wie Till Schenk in der Liveübertragung schon richtig gesagt hat, ich bin nicht besonders klein und auch nicht besonders leicht. Die Masse muss gebremst und beschleunigt werden… Zum Glück habe ich seit es mir besser geht schon 7 kg abgenommen, aber wirklich leicht war der Kurs trotzdem nicht!

Ich lief sehr solide aber verlor pro Kilometer immer etwas Zeit auf meine Verfolger.

Nach 3:58:27 Stunden, neuem Streckenrekord für den Radteil und die gesamte Strecke war trotzdem Schluss und ich erster im Ziel!

Der sehr schnell laufende Ukrainer Viktor Zyemtsev wurde in 4:00:41 h Zweiter und Markus Thomschke in 4:04:04 h Dritter!

Herzlichen Glückwunsch! Ihr habt es mir nicht leicht gemacht!! Glückwunsch auch an alle anderen Finisher, der Kurs verlangt wirklich was ab!!

Vielen Dank auch noch einmal an alle die mich an der Strecke angefeuert haben, allen die mir gratuliert und vor allem vielen Dank an alle, die mich bis hierher unterstützt haben!

Ihr seid der Wahnsinn! Mein Handy ist seit dem Rennen nur noch am vibrieren und klingeln… ich wusste nicht, dass überhaupt so viele Leute meine Nummer haben. Aber das ist gut so!

Es war jetzt sehr lange ruhig um mich und wer weiß, wie lange es so bleibt!

Ich hoffe es war euch nicht zu lang und ihr hattet etwas Spaß beim lesen!

Servus,

Hannes

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