Ironman 70.3 Buenos Aires

Hola Amigos,

ich habe schon eine Weile nicht mehr gebloggt, in der modernen Welt kommt es mir manchmal irgendwie sinnlos vor. Ich weiß nicht, ob Blogs überhaupt noch gelesen werden oder ob sich alles nur noch um Bilder auf Instagram dreht.

„Bilder sagen mehr als tausend Worte“, heißt es, aber stimmt das? Wie soll man bei einem Bild zwischen den Zeilen lesen? Und was tun, wenn man kein passendes Bild hat oder man (so wie ich) ein furchtbar schlechter Fotograf ist, der mit seinen seltsamen Bilder bestenfalls für Verwirrung sorgen könnte? Außerdem sollte man gerade in der Photoshop-Epoche wissen, dass Bilder verdammt gut lügen können!

Wie auch immer, habe ich mich entschlossen, mal wieder ganz altmodisch zu schreiben!

Ich bin jetzt schon zwei Wochen in Südamerika unterwegs. Ich kam hierher, um beim Ironman 70.3 Buenos Aires und eigentlich auch beim Ironman Mar del Plata über die volle Distanz zu starten. Eigentlich, aber dazu später mehr… Jetzt geht es erst einmal um Buenos Aires.

Buenos Aires ist eine riesengroße Stadt mit rund 3 Mio. Einwohnern. Das Rennen über 1,9 km Schwimmen, 90 km Rad fahren und 21 km Laufen fand im sogenannten North Delta statt, eine künstlich angelegte Wohngegend mit Seen, Grünflächen und Wohnkomplexen für Besserverdienende. Natürlich durch Zäune und Eingangskontrollen abgesichert. Zum trainieren oder Strecke checken kam man vor dem Wettkampf gar nicht so einfach rein.

Ich habe mir ein Quartier in Boulogne gesucht, ein Viertel das ca. 20 Autominuten vom Start entfernt lag. In Buenos Aires bzw. Südamerika war ich noch nie zuvor. Deshalb kam ich wohl mit völlig falschen Vorstellungen an.

Ich dachte, da ich am Rand der Stadt wohnte, wäre ich mit dem Rad relativ schnell im „Grünen“ und könnte trotz Großstadt gut trainieren.

Bei allen Rennen bei denen ich bisher gestartet bin, egal wo auf dieser Welt, hat das immer gut funktioniert. In Buenos Aires ,der Stadt der sauberen Luft (die Gründer der Stadt benannten sie nach der Heiligen Santa Maria del Buen Ayre, auf deutsch Heilige Maria der guten Luft) ging das nicht! Davon abgesehen, ist die sauber Luft nur noch im Namen erhalten geblieben.

Schon beim ersten Gespräch mit meinen Gastgebern wurde mir klar, dass hier einige Angelegenheiten komplizierter werden würden.

Radstrecken gibt es nicht. Hier fährt man in Gruppen auf der Autobahn, was ohne zu übertreiben lebensgefährlich ist!

Laufen geht nur entlang von sehr stark befahrenen Straßen und man muss in Kauf nehmen, alle 100 m eine Abfahrt oder Querstraße kreuzen zu müssen. Dazu kommt, dass der Straßenbelag in beiden Fällen unglaublich schlecht ist.

Auf dem Rad sorgt das regelmäßig für Durchschläge und Plattfüße. Beim Laufen muss man extrem aufpassen nicht umzuknicken, außerdem ist die Muskulatur durch den harten und unebenen Boden auch schneller beleidigt als Zuhause.

Selbst schwimmen gehen stellte sich als nicht allzu einfach dar. Um überhaupt ins Bad zu kommen, braucht man eine ärztliche Bescheinigung, dass man gesund ist. Dabei geht es wohl hauptsächlich um Läuse, Milben und Fußpilz fern zu halten. Hört sich nicht so kompliziert an? Naja, man muss erst einmal einen Termin bei einem Arzt bekommen und dazu bin ich auch noch der spanischen Sprache nicht mächtig!

Das war bisher sowieso der Faktor, der alles erschwert hat!

Zum Glück konnte meine Gastgeberin ein Schwimmbad finden, das einen eigenen Arzt hatte.

Witzigerweise ist aber direkt nach dem Arztcheck der Strom ausgefallen und das aufgeblasene Zelt (die Halle war wie eine Hüpfburg konzipiert) stürzte ein… also wieder eine Einheit, die auf den nächsten Tag geschoben werden musste!

Ihr seht, meine Vorbereitungen verliefen überhaupt nicht nach Plan!

Ich habe trotz allen Widrigkeiten versucht optimistisch und positiv zu bleiben. Das ist mir auch gelungen! Meinem Mental Coach Lothar sei Dank! Vor wenigen Jahren wäre ich in einer solchen Lage unangenehmer gewesen!

Aber gut, es kam trotzdem wie es kommen musste. Das Rennen an sich war auch ein Chaos! Das Schwimmen ging schon mit einem Frühstart los, der aber nicht abgebrochen wurde. Also einige schwammen schon, während andere noch auf den Startschuss warteten.

Meine schwimmerischen Leistungen sind momentan leider nicht besonders berühmt, weshalb mir der Start relativ egal war.

Ich habe das Schwimmen genutzt, um mich für das Radfahren aufzuwärmen. Was hier abging, war mir allerdings alles andere als egal.

Es war das absolute Chaos. Hätte ich über den Zustand der Strecke Bescheid gewusst, wäre ich mit einem Mountainbike angereist. Ausgeschildert oder abgesperrt war die Runde auch eher spärlich, weshalb sich alle Athleten die nicht zufällig hinter dem Führungsmotorrad hingen mehrmals verfahren haben.

Ich bin alleine in der ersten Runde vier Mal falsch abgebogen! Man braucht wirklich starke Nerven oder muss einfach völlig bescheuert sein, wenn man da nicht aussteigt… dazu kam noch, dass es kaum Wettkampfrichter gab und ich natürlich der Held war, der eine komplette Gruppe über die Strecke ziehen durfte.

Ich habe teilweise abgebremst und die anderen aufgefordert, auch mal in die Führung zu gehen, aber meine Mitstreiter schauten mich nur an, als hätte ich sie gefragt, was die Quadratwurzel aus 365 ist!

Keine Reaktion… Die Reaktion kam dann erst nach der Wechselzone beim Laufen… auf einmal konnten sie die Führung übernehmen. Zack, innerhalb der ersten zwei Kilometer haben mich 6 Buben überholt, die vorher nicht wussten was überholen ist.

Ich hatte eine kleine bösartige Sekunde in der ich kurz an meine Kickboxer-Vergangenheit denken musste… weiß auch nicht warum… naja, friedlich wie ein Lamm ließ ich sie laufen und kam als 10ter ins Ziel.

Top 10 ist schon sehr gut! Aber es war leider ein sehr verzerrtes Rennen.

Veranstaltungen dieser Art werde ich in Zukunft meiden. Konkurrenten dieser Art werde ich nicht meiden, sondern konfrontieren. 😉

Aber jetzt war es das auch für heute! Sorry für den langen Text!

Ich gehe aus dem Rennen sehr optimistisch und werde ändern was ich selbst ändern kann! Ich habe mich gegen das Rennen in Mar del Plata entschlossen und werde lieber meine Schwimmform in Angriff nehmen, um es dann bei einem Rennen mit weniger Chaos und hoffentlich weniger Lutschern krachen lassen.

 

Hannes

 

PS: Wie immer habe ich alle Rechtschreib-, Komma- und Grammatikfehler absichtlich eingebaut, um euch zu erzürnen 😉

Translate »